Das schönste Tagebuch Österreichs

Das schönste Tagebuch Österreichs

Noch während das Interview für die Auszeichnung „Schönste Bücher“ in Vorbereitung ist, freut sich der Osttiroler Künstler Peter Raneburger: „Heute ist schon der nächste Preis eingetrudelt“, sagt er. Die Rede ist vom „Tagebuch V“. Titel: „ratio“.

Vor wenigen Tagen prämierte der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels Raneburgers Buch als eines von 15 „Schönsten Bücher Österreichs“ – aufgrund seiner „gestalterischen und herstellerischen Qualität“. Und so finden sich zwischen dem Einband „Surbalin glatt Ockergrün“ auf 255 Seiten Arbeiten und Gedanken aus den vergangenen zwölf Jahren.

Das erste Tagebuch erschien 1998. Dies, das fünfte, ist das erste, das prämiert wurde – und das gleich zweifach. Auch der Creativ Club Austria CCA vergab nun die Bronze-Auszeichnung unter der Kategorie „Editorial & Communication Design“. Bei knapp 1.400 Einreichungen ein stolzes Ergebnis.

Für all seine Tagebücher stellt Raneburger sich eine Problemfrage. Bei „ratio“ beschäftigte er sich mit dem Gedanken, ob „uns die Vernunft automatisch zu vernünftigen Lebewesen macht“. Er untersuchte „Abgründe, ideologische Gefangennahmen, soziale Trennfugen, Machtansprüche, Radikalitäten, Vernichtungsmechanismen und sonstige Auswüchse“. Wenn er das Gefühl hat, die Frage für sich beantwortet zu haben, ist es Zeit für ein neues Buch. Seine Antworten hätten jedoch keinen Anspruch auf Absolutheit, betont der 53-Jährige. Im Gegenteil: „Meine Antworten sollen immer Diskussionsgrundlage sein.“

„ratio“ ist kein Buch, das man in einem Rutsch durchliest. Immer wieder schlägt man es auf, liest philosophische Gedanken, die sich abwechseln mit politischer Meinung und religiöser Kontroverse. Die Aufs und Abs eines Künstlers werden transparent. „Ich gebe relativ viel von mir preis“, sagt er. „Es ist auch eine Gratwanderung.“ Wer das Tagebuch bewusst lese, würde viel über seine Person erfahren.

Und so blättert man durch, bleibt an diesem und jenem Bild hängen, macht sich Gedanken zu Installationen und hat mit Weißraum sogar Zeit, all das wirken zu lassen. Und ja, man bekommt eine Idee beim „herrlichen gespräch und stehessen in der 3m2-küche  … fertignudelgericht und rotwein …ethik, glaube, schicksal, schönheit, licht …“ Man darf teilhaben, dabei sein. Man darf zustimmen, man darf sich aufregen.

Die Auszeichnungen sind für Raneburger freilich eine Bestätigung: „Für meinen Weg und vor allem für das Risiko, das ich eingehe. In einem Unternehmen wird geplant und kalkuliert und nur dann gehandelt, wenn ein Gewinn zu erwarten ist. Bei uns Künstlern ist es umgekehrt. Ich mache es einfach von innen heraus und oft erst Jahre später kann ich reflektieren, ob es fruchtbar war.“

So dankt er auch dem Designteam Josef Heigl und Kurt Glänzer vom Studiobruch in Graz. Ein dreiviertel Jahr dauerte die Zusammenarbeit. „Bei den beiden wusste ich bald, dass wir in die gleiche Richtung gehen“, sagt Raneburger.

Ausgezeichnet wurde „ratio“ übrigens in der Kategorie „Sonderproduktionen (mit ISBN) und/oder Bücher, die nicht in den Handel gelangen“. Wer es also haben möchte, darf sich an Raneburger selbst wenden: ran@aon.at / www.peterraneburger.com. Und alle prämierten Titel sind am 9. Dezember im Rahmen einer Ausstellung in der Hauptbücherei Wien zu sehen.

Autorin: 

Monika Hoeksema
mehrSALZmedia.AT

Von |2020-10-12T16:13:56+00:0012. Oktober 2020|

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