innos Digitalisierung in der Landwirtschaft Foto Thomas Totschnig Tristach Appnutzung

+ Ein Butler für die Kühe +

Der Landwirt Thomas Totschnig aus Tristach setzt auf Technik.

Man sieht nix. Unauffällig eine Videokamera in der Nähe des Eingangs vielleicht, in der Fressgasse steht eine Maschine, ansonsten sieht der Kuhstall von Thomas Totschnig aus wie jeder andere. Hell ist er, seine Tiere haben viel Platz, zufrieden wirken sie. Und doch ist vieles ganz anders. Denn Totschnig setzt auf Technik.

Zwischen 35 und 40 Milchkühe samt Jungtieren hält Totschnig, hier in dem Tristacher Stall gleich neben der Kirche. Seit 50 Jahren hat die Familie die Milchwirtschaft, zwei Generationen lang. Bis vor 20 Jahren lebte sie auch davon. Doch Totschnig arbeitet heute Vollzeit bei der Gemeinde im Büro, da gibt’s jede Menge zu tun. Die Milchwirtschaft ist Nebenerwerb und doch größer als früher. Denn: „Die Technik hat es mir ermöglicht, dass ich die Milchwirtschaft vergrößern konnte und trotzdem nicht den ganzen Tag vor Ort sein muss“, sagt der 47-Jährige.

Der Butler sorgt fürs Kraftfutter

Natürlich helfen alle mit. Seine Frau Birgit, Opa Werner, der sich um die Kälber kümmert, und die vier Kinder, zwischen sieben und 15 Jahre alt. Von der Ältesten, Monique über Estelle und Adrian bis zum Nesthäkchen, Enya – können sie alles: melken, füttern mit dem Hoflader, aufbetten der Liegeboxen. „Nur den Führerschein hat noch keiner“, lacht Totschnig.

Angefangen hat alles mit der Kraftfutterstation 1997. Im Jahr 2009 folgte die Videoüberwachung, 2016 wurde der Butler „eingestellt“: Das Modell „Wasserbauer Gold“ schiebt den Kühen als autonome Maschine das Futter hin und versorgt sie zusätzlich mit Kraftfutter. „Besser als jeder Angestellte“, resümiert Totschnig. Denn: Der Butler fährt auch nachts und frühmorgens um vier. Mit ihm kam auch das System, mit dem Totschnig per App laufend alle Fress- und Bewegungsgewohnheiten seiner Tiere überwachen kann. Gibt es eine Kuh, die sich länger nicht bewegt hat? Käut sie wieder? Frisst sie Kraftfutter und wie viel? Ist die brünstig? Totschnig weiß es sofort.

Das System macht keinen Fehler

Von den Vorteilen kann er nur schwärmen: Er sehe viel früher, wenn etwas mit einem Tier nicht stimme. Ganz gleich, ob er nur zwei Kilometer entfernt beim Einkaufen ist oder im Ausland unterwegs – beim Baden, Bergsteigen oder Skifahren. „Wir sind im Jahr sonst hundertmal weg, wir sind eine auffallend ausflugsfreudige Familie“, schmunzelt der 47-Jährige. Alarm gibt’s, wenn das Tier über einen längeren Zeitraum keine Reaktion zeigt. „Vielleicht sieht es normal aus, wenn ich gerade da bin, aber ich weiß viel früher, wenn etwas nicht passt.“ Und: Das System – der gebürtige Tristacher nutzt es seit vier Jahren – macht keinen Fehler: „Wenn es anzeigt, dass die Kuh nix gfressen hat, dann hat die nix gfressen.“ Ganz einfach.

Bei Hitze läuft die „Kuhdusche“

Aber das war’s noch nicht: Eine vollautomatisierte Belüftungsanlage sorgt seit rund vier Jahren auch noch für eine temperaturgesteuerte Kühlung. Die Sprenkleranlage – Totschnig nennt sie liebevoll Kuhdusche – schaltet er noch selbst ein. Und das erst, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen. Auch die Kälber werden automatisch getränkt. Nur ein Melkroboter sei kein Thema: Er wolle seine Kühe mindestens einmal am Tag im Melkstand sehen. Morgens um 7, abends auch wieder gegen 7. „Wenn wir auf der Skipiste sind, wollen wir nicht so früh nach Hause. Wir nutzen wir die Zeit lieber, um den Sonnenuntergang zu sehen …“ Aber der Melkstand ist, eh klar, ein „5er Auto Tandem-Melkstand. Mit Milchmengenmesser, automatischer Ein -und Abschalttechnik, und, und, und …

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Fotos: Thomas Totschnig/privat

Text: Monika Hoeksema

Von |2021-02-11T11:59:11+00:0010. Februar 2021|

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